BUND Ortsverband Hofheim am Taunus
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Mehr Wildnis wagen

Natur Natur sein lassen – biologisch und ökologisch intakt und das möglichst großflächig. Wildnis wagen bedeutet: Kein menschliches Eingreifen, die Natur darf sich frei entwickeln, das ist die Grundlage von Diversität und funktionierenden Ökosystemen. Und bietet klare Vorteile: für die Natur selbst, aber auch für den Menschen. Und: Der Verzicht auf forstwirtschaftliche Nutzung könnte für Hofheim finanziell sehr attraktiv werden.

Die Ziele und Forderungen des BUND sowie anderer Naturschutzorganisationen lassen sich in den fünf Kernaussagen zusammenfassen: mehr Naturwälder, weniger Holzeinschlag, Förderung von Wildnisentwicklung, Stärkung der Biodiversität und Klimaschutz durch natürliche Senken.

Der BUND fordert seit Jahren, deutlich mehr Waldflächen der natürlichen Entwicklung zu überlassen – mindestens 15 % Naturwälder statt der aktuell rund 2 %. Das Förderprogramm KlimaWildnis verfolgt genau dieses Ziel: Kommunen sollen Waldflächen aus der Nutzung nehmen, um Wildnis entstehen zu lassen. Das entspricht der BUND‑Forderung nach „Urwäldern von morgen“ und mehr großflächigen Naturwäldern.

Der Verzicht auf forstwirtschaftliche Nutzung könnte für Hofheim finanziell sehr attraktiv werden. 

Im Rahmen des Bundesprogramms KlimaWildnis besteht die Möglichkeit, große Waldflächen dauerhaft aus der Nutzung zu nehmen, um der Natur eine freie, eigendynamische Entwicklung zu ermöglichen. Dieses Ziel ist Teil der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt, die vorsieht, mindestens zwei Prozent der deutschen Landesfläche als Naturwildnis auszuweisen – ein Ziel, das bislang deutlich verfehlt wird.

Das Förderprogramm richtet sich unter anderem an Kommunen. Voraussetzung ist, dass zusammenhängende Waldflächen mit einer Mindestgröße von 50 Hektar eingebracht werden. Die finanzielle Entschädigung orientiert sich am Verkehrswert, der durch ein Gutachten festgelegt wird. Anträge können nach aktueller Richtlinie bis Ende 2027 gestellt werden.

Für Hofheim bietet sich hier eine besondere Chance. 

Mehrere Waldflächen im Stadtgebiet erfüllen grundsätzlich die Kriterien für eine Antragstellung. Berechnungen zeigen, dass die Entschädigung bei hochwertigem Laubmischwald deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt liegen könnte. 

Der Wald bliebe weiterhin im Eigentum der Stadt und stünde der Bevölkerung als Erholungsraum offen. Spaziergänge wären weiterhin erwünscht. Anpassungen wären jedoch beim Jagdmanagement notwendig.

Wirtschaftswege würden in einem Naturwald nicht mehr benötigt, was die Kosten reduziert. Wildnis bedeutet, dass sich die Natur frei und ohne vorgegebenes Ziel entwickeln kann – die Natur trifft die Entscheidungen.

Flächennutzung in Deutschland

Um Wildnis zu erleben, ist keine Reise in tropische Regenwälder, in die Antarktis oder die Savannen Afrikas nötig: In Deutschland darf sich die Natur derzeit auf rund 220.000 Hektar frei entwickeln. Das ist eine Fläche zweieinhalbfach so groß wie Berlin. Sie umfasst etwa die Kernzonen der Nationalparks und Biosphärenreservate, ausgewiesene Naturwälder, ehemalige Truppenübungsplätze sowie Teile ehemaliger Bergbau-Landschaften.

  • Mindestens 1.000 Hektar müssen die Gebiete in der Regel groß sein, um als Wildnis eingestuft zu werden.
  • Bei Auen, Mooren, Küsten und Seen reichen 500 Hektar.
  • Weitere Voraussetzung: Weder Land-, Forst- oder Fischereiwirtschaft nutzen die Flächen. Außerdem sollen sie sich völlig ergebnisoffen entwickeln können und möglichst unzerschnitten sein.

Wildnis: Wichtiger Speicher für Wasser und CO2

Wildnis hilft, die Vielfalt an Lebensräumen, Arten und Genen zu sichern. In einem Nebeneinander von verschiedenen Entwicklungsstadien können sich die Lebewesen ungestört an veränderte Umweltbedingungen, wie die Erderhitzung, anpassen. Wildnisgebiete puffern auch Phasen mit viel oder wenig Wasser ab: Totholz speichert große Mengen an Niederschlag, lebendige Moore sind wassergesättigt, intakte Auen entlang naturnaher Flüsse nehmen Hochwasserspitzen auf. Weiterhin ist Wildnis eine effektive Kohlenstoffsenke.

Politisches Ziel unerreicht

2007 beschloss die Bundesregierung, zwei Prozent Deutschlands bis 2020 als Wildnis auszuweisen und zu schützen. Dieses Ziel ihrer Biodiversitätsstrategie hat sie verfehlt und sich dafür nun bis 2030 Zeit gegeben. Bis dato sind nur 0,62 Prozent geschafft. Der BUND fordert daher zusammen mit dem Bündnis Initiative Wildnis in Deutschland rasch voranzuschreiten. Denn das Potenzial ist da. Eine Studie der Initiative zeigt, dass allein auf öffentlichem Grund weitere 1,67 Prozent der Landesfläche als Wildnis ausgewiesen werden könnten und somit weit mehr als das Zwei-Prozent-Ziel erreichbar wäre.

Mehr Wildnis ist gewollt

Die Akzeptanz in der Bevölkerung für Wildnis ist vorhanden: Je wilder die Natur ist, desto besser gefällt sie vielen Menschen, das belegen Umfragen regelmäßig. Denn Wildnis bietet – und das ist ein weiterer wichtiger Grund für sie – einen attraktiven Ausgleich zur stark genutzten Kulturlandschaft, Körper und Seele kommen zur Ruhe. Wildnis ist ein Sehnsuchtsort, sie fasziniert. Umweltbildung und Naturerleben sind hier in vielen Facetten möglich. Wird zum Beispiel auf den Flächen nicht gejagt, lassen sich Wildtiere besser und auch tagsüber beobachten. Und die Besuchenden können selbst erspüren, wie Natur sich anfühlt, wenn der Mensch nicht eingreift.

Wald wird wild 

Veranstaltung von BUND Hofheim und Waldwärts! am 9.9.2026

Videomitschnitt der Veranstaltung


 

Naturwald oder Wirtschaftswald? 

Wie Hofheim von der „KlimaWildnis“ profitieren könnte. Bericht zur Veranstaltung in den Hofheim-News.

Starkes Bündnis für Wildnis

BUND, BUNDstiftung und 20 weitere Naturschutzorganisationen sind seit 2015 als Initiative Wildnis in Deutschland aktiv. Gemeinsam setzen wir uns für mehr große und unzerschnittene Wildnisgebiete in Deutschland ein. Dabei verfolgen wir einen konsequenten Wildnisansatz. Was dieser bedeutet, erläutern die 13 Positionen in unserem Wegweiser zu mehr Wildnis in Deutschland.