BUND Ortsverband Hofheim am Taunus
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Igel

Auf leisen Sohlen und mit stacheliger Rüstung tippelt der Igel durch Hofheims Gärten und Parks. Naturnahe Grünflächen dienen ihm als Rückzugsgebiet, und der Hofheimer BUND unterstützt Bemühungen, damit er sich bei uns richtig wohlfühlt.

Igel

Bild: Günter Boehnke

Der Braunbrustigel:
Ein nützlicher Nachbar in Not

Der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) ist einer unserer bekanntesten Gartenbewohner. Doch was viele nicht wissen: Der Igel ist in Deutschland mittlerweile auf die Vorwarnliste der bedrohten Tierarten gerückt. Dank seiner Anpassungsfähigkeit lebt er heute oft in direkter Nachbarschaft zum Menschen. Mit seinem markanten Stachelkleid und seinem unermüdlichen Appetit auf Schädlinge ist er ein faszinierender und nützlicher Gast, den man vor allem in der Dämmerung beobachten kann.

Steckbrief: Aussehen und Merkmale

Auf den ersten Blick erkennt jeder einen Igel, doch seine Biologie ist voller Besonderheiten:

  • Stachelkleid: Ein ausgewachsener Igel trägt etwa 5.000 bis 7.000 Stacheln. Diese dienen als effektiver Schutz gegen Feinde wie Dachse oder Uhus.
  • Einrollmechanismus: Bei Gefahr rollt sich der Igel mithilfe eines speziellen Ringmuskels zu einer fast unbezwingbaren Stachelkugel zusammen.
  • Schnauze: Er besitzt eine bewegliche, feuchte Nase und einen ausgezeichneten Geruchssinn, mit dem er Beute unter der Erde oder in dichtem Laub aufspürt.
  • Füße: Igel haben fünf Zehen an jedem Fuß mit kräftigen Krallen, die ideal zum Grabben und Klettern sind.

Lebensweise und Lebensraum

Der Igel ist ein Einzelgänger und dämmerungs- sowie nachtaktiv. Er meidet offenes Gelände und bevorzugt strukturreiche Landschaften wie Hecken, Gebüsche, naturnahe Gärten und Waldränder. Hier findet er nicht nur Nahrung, sondern auch Schutz. Tagsüber schläft er in Nestern aus Laub und Gras, die er in dichten Hecken oder unter Holzstapeln errichtet. Von etwa November bis März hält er Winterschlaf, um die nahrungsarme Zeit zu überbrücken.

Ernährung

Igel sind Insektenfresser und wahre „Gartenpolizisten“. Ihre Speisekarte umfasst vor allem:

  • Laufkäfer und deren Larven
  • Regenwürmer
  • Ohrwürmer
  • Spinnen und Asseln
  • Gelegentlich Schnecken (entgegen der weitläufigen Meinung sind diese jedoch oft nur eine Notlösung und können Parasiten übertragen)

Bedrohung und Schutz

Obwohl der Igel ein Kulturfolger ist, ist er zunehmend bedroht. Die größten Gefahren sind:

  • Verlust von Lebensraum: „Aufgeräumte“ Gärten ohne Laub und Totholz bieten weder Nahrung noch Unterschlupf.
  • Gefahrenquellen im Garten: Mähroboter (besonders nachts!), Pestizide (Schneckenkorn), tiefe Schächte und engmaschige Zäune werden oft zur tödlichen Falle.
  • Straßenverkehr: Jedes Jahr kommen unzählige Igel bei der Suche nach Nahrung oder Partnern auf unseren Straßen ums Leben.
  • Insektensterben: Durch den Rückgang von Insekten finden Igel oft nicht mehr genug Nahrung, um sich die nötigen Fettreserven für den Winterschlaf anzufressen.

Wie kann man helfen?

  • Garten naturnah gestalten: Lassen Sie Laub- und Reisighaufen in einer ruhigen Ecke liegen. Sie sind die perfekten Winterquartiere.
  • Durchlässe schaffen: Sorgen Sie für kleine Öffnungen in Gartenzäunen (ca. 10x10 cm), damit Igel von Garten zu Garten wandern können.
  • Verzicht auf Chemie: Nutzen Sie keine Insektengifte oder Schneckenkorn.
  • Vorsicht bei der Gartenarbeit: Verzichten Sie auf Mähroboter in der Dämmerung und prüfen Sie Gebüsche vor dem Zurückschneiden auf schlafende Igel.
  • Tränken aufstellen: Eine flache Schale mit frischem Wasser hilft Igeln besonders an heißen Tagen (Bitte niemals Milch geben, diese führt zu tödlichem Durchfall!).

Tag des Igels (2. Februar)

Infos des BUND Hessen

Igel-Seite Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Was jeder tun kann. Tipps für Herbst und Winter

Igel in Not gefunden? Schau mal hier

Endspurt im Februar

Massensterben von Wildtieren im Winterschlaf, in Winterstarre und Winterruhe

Nachdenk-Gedanken von Heike Wieneke, Igelstation Bergheim

Massensterben von Wildtieren im Winterschlaf, in Winterstarre und Winterruhe – damit ab dem 1. März die Brut- und Setzzeit geschützt ist.

Der Februar ist der Monat, in dem überall noch einmal „richtig angepackt“ wird. Städte schicken Kolonnen los. Kommunen räumen Parks, Grünstreifen und Böschungen auf. Firmen beauftragen Landschaftsgärtner, damit alles sauber und ordentlich aussieht. Privatleute räumen ihre Grundstücke auf, schneiden Hecken, stutzen Sträucher, machen Gärten „frühjahrsfit“.

Noch schnell. Bevor es nicht mehr erlaubt ist. Bevor die Brut- und Setzzeit beginnt.

Dann wird geschnitten, gekappt, gehäckselt, gefräst, freigeräumt.

  • Hecken bodentief
  • Sträucher radikal
  • Bäume stark beschnitten
  • Laub weg
  • Reisig weg
  • Beete frei
  • Alles ordentlich.

Nicht vereinzelt. Nicht zufällig. Flächendeckend. Gleichzeitig.

Und genau dort ist Leben. Jetzt. Unter diesen Hecken liegt ein Igel. Im Winterschlaf. Zusammengerollt. Regungslos. Nicht fluchtfähig. Er nimmt nichts bewusst wahr. Aber wenn sein Winterquartier geöffnet oder zerstört wird, wenn die schützende Deckung verschwindet, wenn Kälte, Nässe oder Licht eindringen, wird sein Körper zwangsläufig aus dem Winterschlaf gedrängt.

Nicht freiwillig. Nicht kontrolliert. Sondern als Notreaktion.

Dieser Energieverlust ist tödlich – oft nicht sofort, sondern Tage später.

Der Igel stirbt, wie so oft, leise. Er verschwindet einfach – oder er endet, unbemerkt, in der braunen Tonne zusammen mit dem „Gartenabfall“, der sein letztes Versteck war.

Der Igel ist nicht allein. Im selben Moment liegen im Boden und unter dem Laub:

  • Frösche und Kröten in Kältestarre
  • Reptilien unter Wurzeln, Steinen und Holz
  • Tiere in Winterruhe, denen ihre Rückzugsräume entzogen werden

Sie springen nicht weg. Sie laufen nicht davon. Sie können nicht reagieren. Auch sie sterben leise. Sie verschwinden mit dem Schnittgut, dem Laub, dem Holz. Was im Privatgarten in der braunen Tonne landet, wird im kommunalen Bereich abtransportiert, geschreddert, kompostiert oder verbrannt.

Und dann ist da die größte Masse. Nicht sichtbar. Nicht zählbar. Aber die mit Abstand größte: Insekten. Eier. Larven. Puppen. Abgelegt im Herbst. Gedacht für den Frühling. Sie sitzen an Zweigen, liegen im Boden, stecken im Laub, überwintern im Totholz.

Insekten sind filigran. Ihre Entwicklungsstadien noch mehr. Viele überleben die Arbeiten im Februar nicht einmal bis zum Abtransport. Sie werden beim Schneiden, Harken, Räumen und Häckseln zerquetscht, zerrissen, zerstört.

Und was das überlebt, endet später in Kompostwerken oder Biomasseanlagen. Dort wird das Material umgesetzt, erhitzt oder verbrannt.

Eier, Larven und Puppen haben dort keine Chance. Spätestens hier endet jede Entwicklung, die eigentlich für das Frühjahr gedacht war. Nicht vereinzelt. Nicht zufällig. Millionenfach.

Kein Einzelfall. Routine. Jedes Jahr.

Es sind nicht nur große Maschinen. Es sind nicht nur spektakuläre Eingriffe. Es ist die Summe der alltäglichen Arbeiten:

  • der „ordentliche“ Garten,
  • die „gepflegte“ Hecke,
  • der Park, der „schön gemacht“ wird.

Und genau deshalb passiert es jedes Jahr wieder.

Und dann wundern wir uns. Warum es kaum noch Igel gibt. Warum Tiere geschwächt aus dem Winter kommen. Warum Parasiten überhandnehmen. Warum es im Frühjahr still bleibt. Warum nichts mehr summt.

Dabei liegt die Ursache offen da:

Wir zerstören Winterquartiere und gleichzeitig die Nahrungsgrundlage. Für den Igel – und viele weitere betroffene Arten – heißt das: Schlafplatz weg. Futter weg. Der Insektenschwund ist kein separates Problem. Er ist Teil desselben Systems.

Der eigentliche Systemfehler

Wir schützen Brut- und Setzzeiten – und zerstören vorher die Nahrung. So erlauben wir Fortpflanzung und nehmen gleichzeitig die Lebensgrundlage. Das ist kein Widerspruch am Rand, das ist ein Systemfehler im Naturschutz.

Das Problem ist die Rechtslage: Das Naturschutzrecht schützt Brut- und Setzzeiten – also Phasen, in denen Tiere sichtbar sind, Nester haben, Junge führen. 

Was es nicht ausreichend schützt, ist der Winter: die Zeit, in der Tiere im Winterschlaf, in Winterruhe oder in Winterstarre überleben müssen. Unsichtbar. Regungslos. Vollständig abhängig von intakten Strukturen.

Für diese Tiere endet der Schutz genau dann, wenn sie ihn am dringendsten brauchen. Das ist fachlich nicht mehr haltbar. Und es kostet jedes Jahr unzähligen Tieren das Leben.

Was es braucht

Keine Verbote um jeden Preis. Keine jahrelangen Diskussionen, sondern eine klare gesetzliche Ergänzung:

  • Schutz für Winterlebensräume.
  • Schutz für Tiere im Winterschlaf, in Winterruhe und Winterstarre.
  • Schutz für überwinternde Insekten, von denen ganze Nahrungsketten abhängen.

Der Winter ist keine Pause für das Leben – er ist die Bewährungsprobe unseres Naturschutzes. Was wir in dieser Zeit zerstören, braucht im Frühjahr nicht mehr geschützt werden.