BUND Ortsverband Hofheim am Taunus
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Schwalben zählen

Schwalben: Die flinken Glücksbringer Einst galten sie als Boten des Frühlings und Schutzgeister des Hauses. Doch die eleganten Flugkünstler, die uns den Sommer über mit ihrem Gezwitscher begleiten, finden in unserer modernen Landschaft immer seltener geeignete Lebensbedingungen.

Foto Tanja Lindenthal

Aussehen: Meister der Lüfte
In Hofheim begegnen uns vor allem zwei Arten: 

Die Rauchschwalbe erkennt man gut an ihrer kastanienroten Kehle und den langen, tief gegabelten Schwanzspießen. 

Die Mehlschwalbe hingegen ist etwas kleiner, hat eine rein weiße Unterseite und einen markanten weißen Bürzel (Rückenpartie über dem Schwanz). Beide besitzen einen stromlinienförmigen Körper und lange, spitze Flügel – perfekt angepasst an ein Leben fast ausschließlich in der Luft.

Lebensweise: Treue Rückkehrer aus dem Süden
Schwalben sind Langstreckenzieher, die den Winter im tropischen Afrika verbringen. Pünktlich im April kehren sie zu uns zurück, oft genau an den Ort, an dem sie im Vorjahrgebrütet haben. Während Rauchschwalben ihre offenen Lehmnester bevorzugt im Inneren von Ställen oder Scheunen bauen, nisten Mehlschwalben in Kolonien außen an Gebäuden direkt unter dem Dachvorsprung.

Speiseplan: Natürliche Schädlingsbekämpfer
Schwalben sind wahre Vielflieger und jagen ihre Beute – ausschließlich Fluginsekten wie Mücken, Fliegen und Blattläuse – direkt im Flug. Ein einziges Schwalbenpaar fängt während der Aufzucht einer Brut zigtausende Insekten und leistet so einen wertvollen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht.

Gefährdung und Schutz: Jedes Nest zählt
Beide Arten stehen heute auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Sie leiden unter dem Mangel an Insekten, der Versiegelung von Feldwegen (fehlendes Baumaterial für Nester) und der Sanierung von Gebäuden, bei denen Einfluglöcher verschlossen werden.

Hier in Hofheim ruft der BUND regelmäßig zur Schwalbenzählung auf, um die Bestände zu erfassen und gezielt Schutzmaßnahmen zu fördern. Wer helfen möchte, kann künstliche Nisthilfen anbringen oder in Trockenperioden Lehmpfützen für den Nestbau feucht halten. Denken Sie daran: Schwalben und ihre Nester sind gesetzlich streng geschützt.


1. Mai bis 31. August: Mitmach-Aktion: Schwalben zählen

Schwalben zählen für das Projekt ADEBAR der HGON: Hilf mit und melde uns besetzte Schwalbennester!

Zur Erstellung eines neuen Deutschen Brutvogelatlas' (ADEBAR 2) hilft der BUND Ortsverband Hofheim der HGON (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz) bei der Erfassung der Hofheimer Schwalbenbestände.

Die HGON koordiniert die Beobachtungen und Auswertungen der neuen bundesweiten Kartierung von Brutvögeln in Hessen und möchte diese „Volkszählung der Vögel“ zu einer großen hessischen Gemeinschaftsaktion für alle Interessierten machen.

Um die Beobachtungen möglichst überall im Land durchführen zu können, benötigte sie die Hilfe aller Vogel- und Naturinteressierten. Bundesweit wird das Projekt vom Dachverband Deutscher Avifaunisten DDA organisiert, dessen hessischer Mitgliedsverband die HGON ist.

Die Aktiven der Hofheimer BUND Ortsgruppe unterstützen tatkräftig bei der Schwalbenkartierung hier vor Ort.

Bitte sendet den Standort eurer Nester (gerne Adresse und gps-Daten) sowie eure Kontaktdaten an info(at)bund-hofheim.de.

Wir freuen uns auf eure Unterstützung!


Gemeinsam für den Erhalt unserer Schwalben

Schwalben sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt – das gilt nicht nur für die Vögel selbst, sondern ausdrücklich auch für ihre Nester. Dennoch finden Mehlschwalben an modernen, glatten Fassaden kaum noch Halt, während Rauchschwalben durch verschlossene Ställe der Zugang zu traditionellen Brutplätzen verwehrt bleibt. 

So können Sie in Hofheim helfen

  • Nistplätze bewahren: Bestehende Nester dürfen auch außerhalb der Brutzeit nicht entfernt werden. Bei Sanierungen müssen Ersatzquartiere geschaffen werden.
  • Wohnraum schaffen: Durch das Anbringen von Kunstnestern helfen Sie dort, wo natürliches Baumaterial fehlt.
  • Baumaterial bereitstellen: Eine einfache Lehmpfütze im Garten unterstützt die Vögel beim Nestbau.
  • Toleranz zeigen: Mit Kotbrettern unter den Nestern lassen sich Verschmutzungen an Fassaden leicht vermeiden, ohne die Tiere zu stören. 

Artenschutz am Haus

Indem wir Lebensräume schützen und fördern, sorgen wir dafür, dass die flinken Jäger auch in Zukunft ein fester Teil unseres Stadtbildes bleiben.

Mehr zur Schwalbe

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Geschichtliches zu Schwalben in Hofheim

von Joachim Janz

Where have all the swallows gone?

In dem früher recht schwalbenreichen Ostendviertel zwischen Elisabethenstraße, Schmelzweg, Zeilsheimer Straße und Krifteler Straße gibt es seit den 2000er Jahren

nur noch wenige Schwalbennester der Mehlschwalbe.  -  Rauchschwalben ohnehin

noch länger gar keine mehr. -  Nur im Bereich der mittleren Neugasse und der Krifteler

Straße waren es 2025 noch 24 Brutnester, dieses Jahr eines weniger (Besenstiehl?).

Also ein engbegrenztes Nistgebiet.

1962 eingeschult, absolvierte ich 6mal wöchentlich meinen Weg zur Pestalozzischule

(samstags  noch halbtags). Mein Geist beschäftigte sich gerne mit den vielen dort

zu erlebenden Schwalben. Besonders schön wurde es im späteren August. Drei

schwere Elektroleitungen schwangen sich über die Krifteler Straße. Das Hofheimer

Elektrizitätswerk am Rande des Kellereiplatzes versorgte bis 1968 die hiesigen Haushalte - über die Dächer. Auf jeder Leitung hockten 60, 70, 100 Schwalben dicht=

gedrängt. Ein zwitschern, aufgeregtes "Tschilpen", geschäftiges Schwalbengebabbel.

War mords was los!  -  Wie wird die Reise? Wie  war dieses Jahr bei dir?  Ging alles gut? Gabs genug Futter? Was macht die Muskulatur? Fit für die Sahara? Hoffentlich

schaffen es die Kids!  Gibraltar ist nicht ohne!

Samstags war'n sie noch da; montags keine mehr.  Gott behüte eure Reise.

Warum war das Ostend so ein tolles Brutrevier?  Die Brühlwiesen (heute MTS und

Berufsschule und neues Pflaster und 'ne Menge Parkplätze) waren ein künstlich bewässertes Wiesengelände. Viel frisches Futter und Heu für den Verwaltungsapparat

mit seinen Pferden in der Wasserburg und dem Kellereigebäude (im Erdgeschoss war

ursprünglich der Marstall, der Pferdestall). Also auch gutes Insektenrevier. Plus Nr. 1

für Schwalben. Plus Nr. 2: Unterhalb und parallel zur Krifteler Straße der künstliche

Bewässerungsgraben von vor der Stadtmauer und gespeist aus dem Wasser des

Burgweihers im Bereich des heutigen großen Kellereiplatzes. Der Graben war eigentlich durch einen Wall ermöglicht. Den Aushub hatte man zu den Brühlwiesen hin aufgeschüttet. Alles war Letsch, also Lößlehm. Was besseres zum Nestermaurern gibt es kaum. Es braucht nur noch Spucke, also Schwalbenspeichel, und schon pappt es

wie angekleistert.Nochmals: Plus Nr.2.  -  Seit den 1890er Jahren bis zum ersten Weltkrieg bauten Handwerksmeister, Bäcker, Metzger, Vorarbeiter, kleine Angestellte

und andere ihre Backsteinhäuser im Ostend. Die vorstehenden Dachtraufen hatten einen fast idealen Neigungswinkel zur Hauswand. Madam und Monsieur Schwalbe

prüften und dachten: der Aufwand könne sich lohnen. Und siehe da: er tat es.

Nebenbei bemerkt: ursprünglich schlossen die Dächer meist nicht dicht zur Hauswand.

Mister und Misses Mauersegler fanden auch ein Obdach. Plus Nr. 3. Plus Nr.4: im

Quartier wurden nicht wenige Hühner, Stallhasen und auch die eine oder andere Ziege gehalten. Manches Ferkel wuchs bis zur Schlachtreife. Lecker für Insekten, lecker für

Schwalben und Mauersegler. Nur in den Blocks der Hofheimer Kleinwohnungsbau im

Bereich hintere Neugasse, Quäkerstraße, Gartenstraße war Tierhaltung verboten. 

1935 machte ein Gerücht auf den Drähten der Elektroleitungen die Runde: "Habbe'se schon gehört? Die Nazis verlange jetzt den Bau von klaane Scheune und Ställ' hier

erum. Die Leut' solle autark wer'n!  Wenn's noch mehr Karnickel, Hiehner unn Wuzze unn Gaaße gibbt, gibbts mehr Micke. Uns kanns nur recht sei. Mahlzeit!". Plus Nr. 4a

und Nr. 4b.

Das sogenannte Wirtschaftswunder, der Konsum- und Wohlstandsboom und das Wachstumsgeschäft nach dem Zweiten Weltkrieg brachten Veränderungen, die bei delichon urbica, hirundo rustica und apus apus seit den 1970er Jahren zu einem immer schneller werdenden Schrumpfungsprozess der Brutpaare führte. 

Joachim Janz  -  8. September 2026

" 8. September: Mariä Geburt,  die Schwalben fliegen furt!" Wie alle Jahre und wie lange noch?

 

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