BUND Ortsverband Hofheim am Taunus
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Pflanzenportrait Gewöhnlicher Natternkopf

Foto Tanja Lindenthal

Wer bin ich? Erkennungsmerkmale

Ich bin der Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare), ein stolzer Vertreter der Raublattgewächse. Im ersten Jahr zeige ich mich lediglich als flache, borstig behaarte Blattrosette am Boden. Im zweiten Jahr wachse ich zu meiner vollen Pracht heran: Mein aufrechter, borstiger, haariger Stängel erreicht 30 bis 100 cm Höhe und ist oft hübsch rot gefleckt. Mein prägendstes Merkmal ist mein Farbspiel: Meine Knospen leuchten zartrosa, doch sobald ich mich öffne, erstrahle ich in einem intensiven, leuchtenden Blau. Diese Verfärbung ist ein kleiner chemischer Trick meiner Blütenzellen, mit dem ich Bestäubern meine Attraktivität signalisiere.

Gesundheit

Obwohl ich eine faszinierende Pflanze bin, ist Vorsicht geboten: Ich bin kein klassisches Heilkraut für den Hausgebrauch. Aufgrund meiner Inhaltsstoffe (wie Pyrrolizidinalkaloide) gilt ich als leicht giftig und sollte daher nicht innerlich angewendet werden. Meine Heilkraft liegt heute eher in der „psychischen Gesundheit“ – als farbenfroher Anblick in einer blühenden Wiese erfreue ich das Herz des Naturfreundes und fördere das Wohlbefinden durch die Verbindung zur unberührten Natur.

Von Chefköchen und Genießerinnen

In der modernen Küche finden meine Blätter und Blüten kaum Verwendung, da sie aufgrund ihrer borstigen Behaarung und der enthaltenen Alkaloide nicht zum Verzehr geeignet sind. Echte Genießerinnen und Genießer schätzen mich daher eher als „optisches Dessert“ im Garten. Ich bin eine Pflanze für das Auge und das ökologische Gleichgewicht, weniger für den Kochtopf. Mein Platz ist in der sonnigen Wildblumenwiese, wo ich den Ausblick beim sommerlichen Picknick verschönere.

Von Hexen und Medizinmännern

Mein Name ist mein geschichtliches Erbe. Die Form meiner Staubgefäße erinnerte unsere Vorfahren an die gespaltene Zunge einer Schlange. In der alten Signaturenlehre glaubte man: „Was wie eine Schlange aussieht, hilft gegen ihren Biss.“ So wurde ich früher von „Medizinmännern“ und Heilkundigen als Mittel gegen Schlangenbisse oder gar als Gegengift bei Tollwut eingesetzt. Auch wenn wir heute wissen, dass das medizinisch wirkungslos war, bleibt meine mystische Aura aus der Zeit der Kräuterfrauen und Mythen ein spannender Teil meiner Identität.

Die Tierwelt

Für die Tierwelt bin ich weit mehr als nur eine schöne Pflanze – ich bin eine lebensnotwendige Versorgungsstation.

Insekten: Ich gelte als eine der nektarreichsten Pflanzen unserer Heimat. Über 40 Wildbienenarten besuchen mich. Besonders stolz bin ich auf meine „beste Freundin“, die Natternkopf-Mauerbiene (Osmia adunca): Sie ist so eng an mich angepasst, dass sie ohne mein Vorkommen kaum überleben kann. Auch Hummeln und bunte Schmetterlinge finden bei mir eine reich gedeckte Tafel.

Fledermausfreundlichkeit: Ich bin ein wichtiger Unterstützer für Fledermäuse. Als Insektenmagnet locke ich tagsüber unzählige Bestäuber an, die sich in meiner Nähe vermehren. Wenn die Sonne untergeht, werden diese Insekten – und vor allem die nachtaktiven Falter, die mich ebenfalls schätzen – zur Hauptmahlzeit für unsere heimischen Fledermäuse. Ein Garten mit Natterköpfen ist für die „Jäger der Nacht“ also ein hervorragendes Jagdrevier mit einer hohen Dichte an Beutetieren.

Foto Tanja Lindenthal
Foto Tanja Lindenthal
Foto Tanja Lindenthal
Foto Tanja Lindenthal