BUND Ortsverband Hofheim am Taunus
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Baumportrait: Kiefer

Foto Jasmin Neelmeier-Sangnier

Die Kiefer - auch Föhre genannt

Körperliche Erscheinung:

Diese Pionierbäume der artenreichen Gattung Kiefer sind in den kühlen bis subtropischen Zonen der nördlichen Halbkugel verbreitet. Der Wind sorgt für die Verbreitung ihrer Flugsamen und verteilt diese. Kiefern sind weitgehend anspruchslos, was den Boden betrifft, sofern sie einen möglichst freien, lichtreichen Stand finden. Zu ihrer Anpassungsfähigkeit gehört es, dass sie in Gebirgen wie in Alaska zu strauchig wachsenden Formen gefunden haben, während sie an anderen Orten vierzig bis fünfzig Meter hoch werdende Arten herausbilden. Wo sie vorkommen, genießen sie aus den verschiedensten Gründen hohes Ansehen und sind mit entsprechender Symbolkraft ausgestattet. In Ostasien kann man beobachten, dass die Bäume im Alter immer charaktervollere Formen annehmen, je schwieriger der Standort ist.

Die berühmten Kiefern Chinas, der heiligen Berge des Taishan- und Huangschan-Gebirges, wo sie ihre tief reichenden Wurzeln in Felsspalten senken und ihre Stämme und Kronen weit über den Abgrund hängen, Stürmen preisgegeben, dem Nebel und dem winterlichen Schnee trotzend.

In den ersten jugendlichen dreißig Lebensjahren wachsen die Kiefern regelmäßig, meist eiförmig. Pro Sämling bilden sich 5 Nadeln, alljährlich ein neues Stockwerk mit 5 Trieben, diese zu Ästen werden und jedes Jahr Quirle aus 5 Zweigen bilden.

Die Nadeln fallen alle 2-4 Jahre mit dem Kurztrieb ab. Mit 50 Jahren sind sie blühreif. Alle 2-6 Jahre gibt es blütenstarke Jahrgänge, wo es zum sogenannten „Schwefelregen“ kommt. Sie können ein Alter von 600 Jahren erreichen. 

Faulbaum, Eberesche, Brombeere, Fichte und Laubbäume, sind in Gesellschaft der Kiefer, da sie Licht, Feuchtigkeit und Nährstoffe ihres Standortes nicht erschöpft.

Sie ist von großer Bedeutung für Rotwild, Marder, Eichhörnchen, Fledermäuse, Holzwespen, Ameisen, Vögel wie Haubenmeise und Sperber.

Trotz Windblühtigkeit ist sie eine bedeutende Nahrungsquelle für Bienen.

Verwendung von Bestandteilen der Kiefer

Der trockene Pollen ist leicht brennbar und wurde im Theater verwendet, um Blitze zu erzeugen.

Der Kienspan wurde als Fackel / Kerzenersatz benutzt im Mittelalter und konnte bis zu 2 Stunden brennen im eisernen Kienhalter. Dafür wurde ein fingerdickes, etwa 20 cm langes, trockenes Stück Holz in Kiefernharz getränkt.

Die Kiefer ist im unteren Teil des Stammes sehr harzreich. Harz war schon seit Urzeiten ein begehrtes Handelsobjekt. 1,5 – 4 Kg Harz können jährlich pro Baum, durch Verletzung der Rinde gewonnen werden. Das gereinigte Harz findet Verwendung in pharmazeutischen Produkten, Firnissen, Lacken und Wagenschmiere.

Der Kienruß (Nebenprodukt aus Harzgrieben) fand Verwendung in Druckerschwärze und schwarzer Stiefelpolitur.

Mit dem Pech / Holzteer wurden Fässer, Boote und Dächer abgedichtet.

Das Holz ist nach 100 Jahren hiebreif, ist weich, leicht, jedoch dichter und härter als Fichtenholz. Es hält aufgrund seines hohen Harzgehaltes Nässe und Witterungswechsel relativ gut Stand und wird daher gerne für Fenster, Schwellen, Möbel und Türen verwendet.

Aus Kiefernnadeln gewinnt man Waldwolle, welche zum Füllen von Polstern, Matratzen, Decken und Kissen Verwendung fand. Sie wurde erzeugt durch monatelanges Einlegen in lauwarmem Wasser, bis die harte Schale in der Gärflüssigkeit aufsprang. Ein weiches, watteähnliches Produkt kam zum Vorschein und wurde an der Sonne getrocknet. 

Heilung

Nadeln, Harz und Sprossen haben die Eigenschaften Husten zu stillen, Schleim zu lösen, die Überfüllung im Kopf klären zu können, die Durchblutung zu fördern, keimtötend, wassertreibend und beruhigend zu wirken.

Ein Kiefernnadelbad entspannt und stärkt Haut und Nervensystem.

Die Bachblüte „Pine“ steht in Verbindung mit Schuld und Selbstvorwürfen und wandelt sie in Vergebung, Selbstannahme und Stärke.

Räucherungen mit Nadeln dienen der Raumreinigung.

Der Tee aus Kiefernnadeln ist ein heilkräftiges Wildnisgetränk. Die Nadeln enthalten einen sehr hohen Gehalt an Vitamin C und Antioxidantien.

Ihre Schutzwirkung ist 50 mal höher als von Vitamin E.

Überlieferung

Die Kiefer war bei den Griechen dem Zeus und bei den Römern Jupiter geweiht, sowie Pan, dem Hauptgeist der Vegetation.

In den schottischen Highlands taucht die Kiefer als Baum der Krieger auf. Sie wurde an den Begräbnisstätten gepflanzt und acht große Clans hatten die Kiefer zu ihrem Abzeichen erkoren, womit dieser Baum der meistgewählte war.

Der Kiefernzapfen galt im Altertum aufgrund seines Samenreichtums als Sinnbild für Fruchtbarkeit und Reichtum.

Allgemein war sie ein Symbol für: Lebenskraft, Lebenserneuerung, Ausdauer, Bewältigung schwierigen Lebens, Anpassungsfähigkeit, Treue, Großzügigkeit, Reinheit, Mut, langes Leben, Freundschaft, himmlisches Wissen, Gnadenspender, Lebensbaum und Winter.

Die Indianerstämme des nordamerikanischen Nordostens haben etwa 1450 eine Führungsgruppe gebildet mit dem Namen „Iroquois Confederacy“, die nur einen Zweck hatte: Den Frieden zu erhalten. Fünf Stämme kamen zusammen, um sich in Respekt für die Traditionen der anderen zu vereinigen, anstatt gegeneinander Krieg zu führen. Unter der Führung dieser Konföderation lebten die Stämme mehrere Jahrhunderte lang in Frieden miteinander. Einige Regierungsprinzipien der „Iroquois Confederacy“ sollen in die Verfassung der Vereinigten Staaten eingegangen sein. 

Die Seneca erzählen, dass zu einer Zeit, in der es viel Kampf und Blutvergießen gab, ein Friedensstifter unter den Stämmen der Ostküste auftauchte. Seine Mission war es, die Menschen unter dem Gesetz des Friedens zu vereinigen. Nachdem er die Stammesführer dazu bewegt hatte zusammenzukommen, entwurzelte er den „Baum der langen Blätter“ (die weiße Kiefer) und ein Krieger nach dem anderen warf seine Waffen in das Wurzelloch, damit das Grundwasser das Blut des Todes und die Zerstörungslust aus ihren Herzen waschen konnte. Der Friedensstifter pflanzte den Baum an derselben Stelle wieder ein und lehrte die Stämme, sich unter seinem Schutz zu versammeln: Unter dem Baum, dessen Nadeln in Fünfergruppen wachsen, wobei jede Nadel einen der Stämme der Konföderation repräsentierte. Der Friedensstifter machte die Führer darauf aufmerksam, daß die Zweige alle mit dem Stamm verbunden waren, der in der Erde wurzelte und sich dem Himmel entgegenstreckte.

Zum Schluss setzte er einen Adler auf die Spitze des Baumes, um den Häuptlingen visionäre Weitsichtigkeit zu schenken, die sie befähigte, drohende Gefahren wahrzunehmen und die großen Zusammenhänge des Lebens zu erkennen, wenn sie von den Einzelheiten des Alltags verschleiert wurden. Von  dieser Kiefer sagte man, dass sie vier Wurzeln hatte, die von der Mitte nach Norden, Osten, Süden und Westen wuchsen. Um den inneren Frieden wiederzufinden, musste man sich nur unter den Baum setzen und die Energie aus allen Himmelsrichtungen in den Mittelpunkt zurückholen. So wurde die weiße Kiefer zum Baum des Friedens.

Die Ureinwohner Amerikas besaßen eine tiefe innere Wahrnehmung der Gestalt und Gewohnheiten aller Lebewesen in ihrer Welt, um mit der Kraft in Kontakt zu kommen, die in ihnen verkörpert war. Die runde Form des Kiefernstammes und das hohe Alter, das dieser Baum erlangen konnte, war ihnen ein Symbol für das unendliche Rad der Zeit und die Weisheit, die man erwarb, wenn man den Jahreskreislauf viele Male durchwandert hatte. Die Tatsache, dass Kiefernnadeln zu kleinen Büscheln zusammengebunden sind, zeigte ihnen, welche Stärke und wechselseitige Unterstützung ihnen die Einheit schenken konnte. Das biegsame Holz der Pinie repräsentiert Stärke in der Weichheit.

Inspiration

Sie geht dorthin, wo kein anderer Baum leben kann, und bietet unzähligen Pflanzen- und Tierarten in ihrem Gefolge einen Lebensraum. Ob in sibirischer Kälte oder südländischer Hitze, an hohen und steilen Berghängen oder in der salzigen Luft der Meeresküsten – überall strecken Kiefern ihre eigenwilligen Äste und Nadeln aus und produzieren dabei noch reichlich Zapfen, deren Samen einen hohen Nährwert haben. Im Wald ist die Kiefer ein geselliger Baum, der sich gern vergesellschaftet (d.h. sich mit anderen Arten mischt).

Die Kiefer legt größte Vielseitigkeit der Verwirklichung ihrer Aufgaben an den Tag.    Sie strotzt vor Lebenswillen und Ausdauer. Ihre Wärme und ihre Kraft sind so stark, dass Menschen in ihrer Nähe Entspannung, Mut und Erfrischung finden können, besonders diejenigen, die unter Traurigkeit, Melancholie und dadurch bedingt an Antriebslosigkeit leiden.

Sie schenkt Klarheit und Anpassungsfähigkeit, Kreativität und Ideen für eigene Wege, sowie Direktheit und Aufrichtigkeit. Sie verfügt über ein hohes Maß an Verantwortungsfähigkeit und diese führt sie zum Erfolg. Ihr Geheimnis ist ihre Loyalität und Hingabe an die höheren Ziele des großen Ganzen.