BUND Ortsverband Hofheim am Taunus
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Baumportrait: Eiche

Foto Jasmin Neelmeier-Sangnier

Körperliche Erscheinung

Die Eiche gehört zur Familie der Buchengewächse (Fagaceae). Es gibt mehr als 200 verschiedene Eichenarten. Sie kann feuchte, als auch trockene Böden besiedeln. 

Lichte Eichenmischwälder, mit Hainbuchen und Edelkastanien, können in trockenen Gegenden aufkommen. Wo der Grundwasserspiegel hoch liegt oder gar Hochwasser hingelangt besteht sie. 

Um Spätfrösten zu entgehen, kommt die Eiche im Frühjahr als einer der letzten Bäume ins Grün. Sie hat ein mächtiges Wurzelsystem und neigt auch dazu, einen dicken Stamm zu bilden, der ihren mächtigen Stoffwechsel unterstützt. Zudem besitzt sie eine dicke Borke, die sie vor Hitze schützt, sogar Waldbrände überleben lässt. Eichen werden allerdings bei Gewitter öfter vom Blitz getroffen, wohl weil sie gern über unterirdischen Wasseradern wachsen und weil ihr elektrischer Fluss außergewöhnlich stark ist.

Sie neigt zu einem unregelmäßigen, offenen Kronenaufbau mit eckigen, oftmals abrupten Richtungswechseln der Hauptzweige. Die Gesamtform geht gern in die Breite, so dass nur in engem Bestand schlankwüchsige Bäume entstehen. Die Eiche bildet sehr festes und sehr dauerhaftes Holz. Viele Eichen sind durch ihr hohes Alter berühmt geworden, allerdings sind die meisten „tausendjährigen“ Eichen kaum älter als etwa 600 Jahre.

Über 500 Arten von Spinnen und Insekten leben von der Eiche, sowie viele Vögel und andere Tierarten. Die Eicheln sind eine reiche Nahrungsquelle für den Sämling, so dass er auch im Schatten oder dichtem Gras hochkommen kann. 

Helfer bei der Samenverbreitung sind Eichhörnchen und Eichelhäher, die zur Vorratshaltung Eicheln im Boden verstecken. Der Eichelhäher forstet regelrecht neue Eichenbestände auf. Er steckt die Eicheln in sinnvoller Entfernung voneinander in den Boden. Man könnte meinen, er legt nicht nur einen Futtervorat an, sondern pflanzt auch für nachfolgende Generationen.

Heilung / Nahrungsquelle

Die Eichenrinde enhält einen hohen Anteil an Gerbsäure, wodurch sie sehr zusammenziehend ist. Gerbstoffe sind wasser- und alkohollöslich. Sie hat entzündungshemmende, stopfende und keimtötende Eigenschaften. 

Die Eiche steht für Härte, Kraft, Ausdauer und Beständigkeit. In der Bachblütentherapie hilft die Eiche (Oak) verantwortungsbewussten und zuverlässigen Menschen, die pflichtbewusst niemals aufgeben, egal wie groß die Widerstände sind. Es sind ausdauernde Kämpfer, die viel leisten, aber kurz vor dem Zusammenbruch stehen. Oak bringt Kräfte zurück gepaart mit der Einsicht, dass es wichtig ist, auf die Gesundheit zu achten und die eigenen Grenzen nicht dauerhaft zu überschreiten. Die Eiche lässt uns innerlich freier, unbeschwerter und lockerer werden, sich Erholungsphasen zuzugestehen und sie verstärkt Symphathie und Toleranz.

Eicheln wurden früher auch von Menschen gegessen, zumindest in Notzeiten. Die entbitterte Frucht ist sehr nahrhaft, sie enthält 35% Stärke, 7% Zucker, bis zu 15% fettes Öl und 6% Eiweiß. 

Zur Entbitterung schält und zerkleinert man die Eicheln und lässt sie über Nacht in Wasser stehen. Für einige Tage wird das Wasser gelegentlich gewechselt, bis es eine helle Farbe hat. Anschließend können die Eicheln getrocknet oder geröstet werden und zu Mehl gemahlen werden. Dieses wird dem Getreidemehl beim Brotbacken beigemischt und gibt ihm einen würzigen, nussigen Geschmack. 

Geröstet und gemahlen ergeben Eicheln auch einen schmackhaften „Kaffee“ (1TL pro Tasse, kann gut gemischt werden mit Zimt, Zichorien- oder Löwenzahnwurzel u.ä.) 

Überlieferung

Die Betrachtung der Eiche als der König der Bäume hat eine lange Tradition. 

Die Eiche gilt als der Baum der Kraft und der Beständigkeit.

Bei den alten Griechen war sie Zeus geweiht. Dessen heilige Eiche im Mittelpunkt des dodonischen Heiligtums war, wie Delphi, eines der Hauptorakel der Alten Welt und eine Wallfahrtsstätte für ungefähr eintausend Jahre. 

Die Eiche war auch der heilige Baum von Jupiter und dadurch ein beliebter Baum in den heiligen Hainen der Römer. 

Bei den Germanen war die Eiche dem Donar heilig, einem regenbringenden Vegetationgott, dem für die Fruchtbarkeit der Felder geopfert wurde.

Die Donareiche, das berühmteste germanische Baumheiligtum, stand mitten im Land der Chatten, der Vorfahren der Hessen. 

Es kann mit Sicherheit angenommen werden, dass Eichen auch in einigen Hainen der Druiden anwesend waren. Die Eiche wurde in der keltischen Mythologie mit schützenden Eigenschaften verbunden. Priester kletterten mit ihren goldenen Sicheln in die Eichenkronen und ernteten dort die Mistel, der man magische Kräfte, insbesondere Schutz- und Abwehrkräfte, zusprach. 

Sogar im christlichen Zeitalter konnte die Eiche noch viel von ihrer Anerkennung bewahren. Die Kirche gab nach und stülpte solchen Bäumen Heilige über. In Deutschland besonders die Jungfrau Maria. Viele Marieneichen stehen noch in Bayern.

Die europäische Wirtschaft beruhte seit dem Mittelalter auf dem Baumreichtum und besonders eben den Eichen. Im 17. und 18. Jh. sprachen die Engländer von ihren Eichenschiffen, als ihren „hölzernen Wänden“ und „Herzen von Eiche hatten unsere Männer“. 

Als Wiliam der Eroberer Südengland 1066 nach der Schlacht bei Hastings in Besitz nahm, teilte er das neu gewonnene Land unter seinen Leuten nach der Anzahl der Schweine auf, die in den Wäldern gemästet werden konnten. Die wirtschaftliche Bedeutung der Mast wird auch daraus ersichtlich, daß  dass Mastgeld als eine der ersten Steuern auftaucht und dass vielerorts nicht einmal Kinder ohne Bewilligung Eicheln einsammeln durften. 

Der Lauenförder Forst des Sollinger Waldes beispielsweise brachte im 16. Jahrhundert 1110 Reichsthaler aus Mast und nur 44 Reichsthaler aus Holz ein.

Bis ins 18. Jh. hinein blieben die Eichen die berühmten Zehntbäume, unter denen Recht gesprochen wurde. 

Als „Grenzbäume“ waren sie eine sichtbare Markierung der ausgedehnten Landbesitze der Grafen, die nie weiter als eine Stunde voneinander entfernt waren.

Die Germanen und die Kelten kannten noch geschlossene Eichenwälder, die einst das europäische Tiefland bedeckten. Der Mastbetrieb im Wald hatte den Eichenbeständen stark zugesetzt, sodass dieser sich nicht verjüngen konnte. Ein Überbleibsel dieser alten Waldweidewirtschaft ist der Reinhardswald.

Bei der Loh- oder Rotgerberei wurden Tierhäute zu Fellen gegerbt, indem man sie wochenlang der zusammenziehenden Wirkung vom gerbstoffreichen Eichenrindenabsud aussetzte. Gerbstoffe sind organische Substanzen, die wegen ihrer fäulnisresistenten Wirkung zur Umwandlung von tierischer Haut in Leder benutzt werden.

Auch die kleinen, ruden Galläpfel, welche durch die Gallwespe verursacht auf den Blättern der Eiche wachsen, waren jahrhundertelang ein wichtiges Material zur Herstellung von Farbe und Tinte.

Inspiration

Die Untersuchungen der elektrischen Ströme von Bäumen haben gezeigt, dass die Eiche tatsächlich ein ganz besonderer Baum ist. Ihre Lebenskraft ist bei weitem größer als die irgendeines anderen Baumes ihres Klimagebietes. 

Viel „Kraft“ hat sie tatsächlich den Menschen gegeben: Holz für Flotten von Kriegs- und Handelsschiffen, für Gebäude, Fässer, Tische, Türen, Eisenbahnschwellen, Brennholz für die Metallverarbeitung, Rinde zum Gerben. 

Das Holz ist besonders resistent gegen Schädling. Eichenbohlen und -balken, -truhen und -möbel aller Art überdauern Generationen.

Die besondere, knorrig ausgeformte Gestalt der Eiche symbolisiert auch Standhaftigkeit, Tugend und Wahrheit. 

Die Eiche bringt rohe Lebenskraft und Inspiration. Ihre Kraft wirkt tröstend, erdend und aufbauend. Da diese Energie neutral ist, kann sie für Krieg oder Frieden, zum Heilen, Mut schöpfen oder der Sammlung innerer Stärke gleichermaßen verwandt werden. Sie lehrt uns, indem sie uns in Berührung bringt mit unserer inneren Quelle der Stärke und wahren Identität.

Besondere und geschichtliche Eichen in Hofheim

von Joachim Janz

Der vordere Kapellenberg zeichnete sich durch

eine Reihe älterer und uralter Eichen aus. Im Bereich

um die Bergkapelle stehen heute noch stattliche

Exemplare; Angehörige und Nachkommen des früheren 

Bauwaldes der Hofheimer BürgerInnen, aus dem sie 

ihre Stämme für die Errichtung ihrer Behausungen holten.

Eine Schillereiche von 1859 fristet dort ihr Dasein.

Am Königsteiner Weg, auch Hohe Schneise und Langschneise 

oder Rennweg genannt, standen zwei ehrwürdige Individuen.

Als Kind haben sie mich nicht nur äußerst stark beeindruckt,

sondern auch kräftige Gefühle von Vertrauen und ausstrahlender

Sicherheit vermittelt. Doch mittlerweile sind beide in den

Kreislauf von Werden und Vergehen eingegangen und im 

Mulmboden erstehen sie hoffentlich wieder in ihren Nachkommen

auf. 

Geht man von der Kapelle die Treppenstufen hinauf, am Pavillon

vorbei, stößt man auf die Schneise. Dort stand die eine Eiche.

Die andere befand sich dort, wo der Pfad von der Kapelle in

Richtung Meisterturm auf den Hauptweg, die Schneise, stößt.

Beide von mehreren Menschen geradeso zu umfassen; beim

Familienausflug sonntagnachmittags haben wir uns einmal an den

Händen gefasst und uns getraut. 

Mein einer Großvater hatte ein besonderes Verhältnis zur Eiche 

oberhalb des Pavillons: von dort stammte sein erstes eigenes Bienenvolk.

Sein Vater war als Mitgründer des Hofheimer Imkervereins 1893

sein Vorbild.

Bewaffnet" mit Leiter, Säge und einem Bienenkasten machten sich

zwei Brüder  in der Arbeitslosenzeit der 1920er Jahre auf den Weg. 

In einem Seitenstamm der mächtigen Krone wohnte ein verwilderter 

Bienenschwarm. Der sollte "eingesackt" werden und die Grundlage

einer eigenen Population bilden. Mein Großonkel hockte sich 

passend auf den Seitenast und fing an, die Bienenhöhle abzusägen.

Das gefiel den Bewohnerinnen gar nicht. Schreiend flüchtete der Dieb

und ward nie mehr in der Nähe von Bienen gesehen. Mein Großvater

werkelte jedoch weiter und brachte trotz aller Probleme die Gefangenen

zu sich nach Hause. Der Beginn einer jahrzehntelangen Partnerschaft.

Meine Freunde aus den 60er Jahren starben in den 1980ern;

noch heute trauere ich um sie.

Ob es von ihnen Fotos gibt? Ein Versuch im Stadtarchiv ist es wert.

25. August 2026  -  Joachim Janz