Foto Jasmin Neelmeier-Sangnier
Körperliche Erscheinung:
Die Schattenverträglichkeit der Buche ist ihre Stärke. Mit 60% des Tageslichtes vermag sie noch zu gedeihen. Sie produziert in ihren ersten Lebensjahren fast nur Schattenblätter, die unter direkter Sonnenbestrahlung kümmern, deshalb bedarf sie ganz besonders des Schutzes des Mutterbaumes. Aus diesem Grund werden die Altbäume nach einem Samenjahr (alle 5-6 Jahre) zum Schutz der Jungbäume noch jahrelang stehengelassen. Die Herzwurzeln verankern die Bäume fest im Boden und sind daher nicht sehr sturmgefährdet.
Sie braucht den Schutz des Waldes, weil die jungen Pflanzen spätfrost- und dürregefährdet sind. Alte Bäume sind noch lichtempfindlich, da ihre glatte Rinde unter Sonneneinstrahlung nicht gut vor Überhitzung schützt.
Werden in einem Bestand aufgewachsene Buchen plötzlich freigestellt, verbrennt oftmals die Rinde. Am Waldrand stehende Bäume sind daher oft tief beastet.
Die Buche ist auf dichten Bestand eingestellt und kann riesige Buchen- oder Buchenmischwälder bilden. In ihrem Schatten können kaum andere Pflanzen gedeihen, außer Stechpalme, Tanne oder Eibe, da sie über 90% des Lichtes einnimmt.
Die Krautschicht des Buchenwaldes hat sich auf die besonderen Lichtverhältnisse eingestellt. Im April, bevor das Laub der Bäume völlig entfaltet ist, spielt sich der Vegetationszyklus der Frühlingsblumen im Zeitraffertempo ab. Leberblümchen, Veilchen, Buschwindröschen, Lungenkraut und Primeln reagieren üppig auf das viele Licht, das im zeitigen Frühjahr durch die unbelaubten Äste auf den Boden fällt. Nach dem vollständigen Blattaustrieb verschwinden sie ebenso schnell wie sie gekommen sind.
Durchschnittlich erreichen Buchen ein Alter von 140 –160 Jahren, selten 300 Jahre.
Je nach Standort beginnt die Buche nach 30-60 Jahren zu blühen. Sie trägt beide Geschlechter auf einem Baum. Die Früchte, die Bucheckern, befinden sich zu zweit oder dritt in einer weichstacheligen Schale, aus der oder mit welcher sie im Herbst zu Boden fallen. Sie produziert unglaubliche Mengen von Früchten, besonders in den sich unregelmäßig ereignenden Mastjahren, weshalb sie für Jahrhunderte mit der Eiche der wichtigste Baum für die Tierhaltung (Schweinemast) war. Im Wald nährt sie Wildschweine, Rotwild, Eichhörnchen, Dachs, Nagetiere, Drossel, Amsel und viele andere.
Den Boden strukturiert sie, indem er entwässert, belüftet und gefestigt wird. Der Humus den sie erzeugt ist spröde und mild.
Verwendung
Ihr Holz ist schwer und hart, aber nicht sehr dauerhaft, es besteht fast komplett aus Cellulose. Das Fehlen von Gerbsäure oder Harz macht sie anfällig für frühen Verfall. Einzig bei Fachwerkhäusern war es zur Fertigung der Rahmen und Verstrebungen brauchbar. Es wurde auch für Haushaltsgegenstände und in der Landwirschaft verwendet: Zuber, Bottiche, Melkeimer, Bürsten, Löffel, Schüsseln, Rechen und nicht zuletzt Wäscheklammern wurden aus ihm gefertigt.
Als Brennholz ist die Buche seit alters her gefragt. Die Asche der Buche wurde mit warmem Wasser übergossen und über Nacht stehen gelassen. Am nächsten Morgen erhielt man die Buchenlauge. Nach dem Abseihen wusch sie wie Seifenlauge, da sie sehr viel Kalium enthält.
Eine ganz besondere Verwendung erfuhr das Holz der Buche in den ersten Nachkriegsjahren, als Kraftstoff für Fahrzeuge schwer zu bekommen war. Vor allem Lastwagen hatten auf der Ladefläche ein Öfchen stehen, welches ganz gewöhnlich beheizt wurde. In einem Aufsatz über dem Ofen wurden kleine Buchenholzstückchen unter Luftabschluss erhitzt (trockene Destillation). Das dabei entstandene Holzgas verwendete man als Treibstoff anstelle von Benzin.
Der Tischlermeister Michael Thonet entwickelte ein einmaliges Patent für „Bugholzmöbel“. Er erfand eine Methode, Buchenholz unter Wasserdampf und Erhitzung in gefällige Formen zu biegen. Das bekannteste Möbelstück, der Wienerstuhl Nr.14, wurde über 60 Mio. mal in alle Welt verkauft.
Transportkosten wurden gespart, indem das preisgünstige Möbel in sechs Einzelteilen verschickt wurde. Die Kunden montierten sich an Ort und Stelle, mit einer Handvoll mitgelieferter Schrauben den Stuhl selbst zusammen. Das heutige „IKEA-Prinzip“ ist mindestens 150 Jahre alt.
Mittels einer Teeölimprägnierung konnte man Buchenholz jahrzehntelang haltbar machen. Verwendungsmöglichkeiten gab es für Bahnschwellen, Parkettböden und Sperrholzplatten.
Heilung / Nahrungsquelle
Rinde, Holz, Blätter und Früchte der Rotbuche werden in der Heilkunde benutzt und wirken zusammenziehend, entzündungswidrig, desinfizierend und kühlend.
Der Tee aus der Rinde ist ein altes Fiebermittel und der bloße Aufenthalt unter Buchen kühlt den Kopf und schafft Klarheit, erfrischt und regt an.
Die Bachblüte der Buche verstärkt Mitgefühl und Toleranz. Sie gleicht Engstirnigkeit, harte, starre und intolerante Zustände aus, in denen man selbstgerecht über andere urteilt, sie aber nicht versteht.
Die Blätter der Buche können roh gegessen werden, am besten in Salaten und Suppen.
Die Bucheckern sind sehr eiweißreich und enthalten bis zu 50% Öl. Maximal eine Hand voll rohe Buchecker pro Tag können verspeist werden, da sie u.a. giftige Blausäure-Glykoside enthalten. In größeren Mengen hingegen können sie verzehrt werden, wenn sie vorher abgebrüht oder nach dem Schälen geröstet werden.
Völlig unbedenklich und sehr geschätzt ist das milde und haltbare Bucheckernöl, da die giftigen Inhaltsstoffe im Presskuchen stecken bleiben.
Überlieferung
Wo sie wuchs war die Rotbuche immer ein überaus wichtiger Baum im Leben der Menschen. Sie gehörte mit den anderen Buchengewächsen, Eiche und Esskastanie, zu den Nährbäumen von Tier und Mensch.
Im Jahr 1450 erfand Johannes Gutenberg die Druckerpresse. Er hatte aus Buchenholz einen Buchstaben geschnitzt und diesen in Papier eingewickelt. Der Abdruck, den er auf dem Papier hinterließ, inspirierte ihn zur Idee, Buchstaben zu drucken.
Das germanische Runenalphabet wurde in Buchenstäbe geritzt. Rune bedeutet „Geheimnis“ und ist noch erhalten in unserem Wort „Geraune“.
Als „Zauberlettern“ verwendete man sie jedoch vor allem für kultische, heilende und kriegerische Zwecke. Im Werfen der Runenstäbe ist das uralte Prinzip der Weissagung enthalten.
Selbst der Göttervater Odin sollte sich seine Runenweisheit bitter erringen, indem er neun Nächte am Galgenbaum, der Weltenesche Yggdrasil, hing.
Melibokus, die höchste Erhebung des Odenwaldes trägt den Baum in seinem Namen.
Inspiration
In der Bachblütentherapie wird „Beech“ (Rotbuche) verwendet bei Menschen mit ausgeprägter Intoleranz, Kritiksucht, mangelndem Einfühlungsvermögen und Mitgefühl.
Sie hilft toleranter, liebevoller, nachsichtiger zu sein, sich selbst und anderen gegenüber. Sie stärkt außerdem das Selbstvertrauen.
Des Weiteren bewirkt die Bachblüte, die Isolation aufzusprengen und gleichzeitig die Fähigkeiten von Disziplin und Beharrlichkeit zu erneuern.
Das geistige Geschenk der Buche ist, die eigene Mitte zu finden, stark in ihr zentriert zu sein und keine Eile zu haben, sowie sorgfältige, klare Entscheidungen zu treffen und in die gewählte Richtung entschlossene Schritte zu machen.
Die Buche steht für Verständnis und Bewahrung. Sie hat eine beruhigende, tröstende und mitfühlende Schwingung. Sie besänftigt und stärkt die emotionale Energie und absorbiert gleichzeitig krank machende Energien.